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Mittwoch, 29. Dezember 2021

How does it feel- Die besten Filme des Jahres 2021

Ein zweites Jahr, in dem wie so viele Dinge auch das Kinojahr einen schwer vorhersehbaren Verlauf nahmen. Eigentlich lässt sich in diesem Jahr gar nicht mehr wirklich von einem Kinojahr sprechen, wie sinnvoll das vorher auch gewesen sein mag, weil das, was einem an aktuellen Filmen so begegnet ist, keiner Jahreslogik mehr folgt, sondern an den verschiedensten Orten auftaucht und auch wieder verschwindet. Aber dieser Zeitlogik sind diese Listen sowieso immer nur als Ausgangspunkt gefolgt. Daher auch in diesem Jahr wieder zehn Filme, die mir etwas bedeutet haben. 

 

10. ANNETTE (Leos Carax)

Ich habe dieses Jahr fast alle Filme von Carax gesehen und während ich mit den früheren Sachen nicht immer allzu viel anfangen konnte, haben mir sowohl HOLY MOTORS als auch ANNETTE sehr gefallen, weil sie die unbändige Energie und Leidenschaft von Carax und seine gewaltvollen Bilder in eine Form gesetzt bekommen, die eine Reflektiertheit und Sanftheit im Umgang mit Bildern ausdrückt, ohne etwas von ihrer Kraft zu verlieren. Das Musical, eine der tollsten Formen des reinen Kinoausdrucks, setzt die Versatzstücke der Geschichte von Henry und Ann in bisweilen rätselhafte Bilder zusammen, ohne dass diese zu einem finalen Schluss zusammenkommen. Die gegensätzlichen Figuren des riesigen, verletzen männlichen Egos und der ruhigen Stärke und Präsenz von Ann prallen so sehr aufeinander, dass sie sich gemeinsam mit dem Film ständig versichern müssen, wie sehr sie einander lieben. Carax‘ Doppelbödigkeit ist aber nicht daran interessiert, dies als Lüge zu entlarven, sondern interessiert sich in seiner Brutalität und Verspieltheit dafür, wie Selbstbilder entstehen und wie sie ganz von selbst zum Einsturz gebracht werden können. Und seien wir ehrlich: wie könnte man einen Film mit dieser Präsenz einer Bauchrednerpuppe nicht mögen?

9. BENEDETTA (Paul Verhoeven)

Es gab einige schöne Kinomomente in diesem Jahr, aber ein Gefühl wie beim neuen Verhoeven-Film hat sich bei mir sonst nicht eingestellt, weil BENEDETTA sich von der ersten Sekunde anfühlt wie ein Film, der nichts falsch machen wird und dessen Richtung und Qualität von der ersten Sekunde an klar ist. Das Nonnen-Kloster als ein Ort, in dem die Zuspitzung des Zusammenhangs von Sexualität und Religion in einem hierarchischen System ständig zu explodieren scheint und die nur scheinbar vorhandene Außenwelt, die im Film quasi komplett ausgelassen wird. Das Interesse des Films, und das macht er auf handwerklich fantastische Art und Weise, dient den Dynamiken und Abgründen seiner Figuren, wie sie sich zueinander verhalten und was sie antreibt. Die Religion wird in Form von bis zum Ende unklar bleibenden Traumsequenzen einer abgedrehten Jesus-Figur als etwas beobachtet, dessen große gesellschaftliche und politische Macht sich aus Bildern, Gefühlen und Einschreibungen in menschliche Körper herleiten lässt. Verhoeven interessiert sich wenig dafür, dem Reiz der Religionskritik zu verfallen, zu viel Spaß macht ihm die Beobachtung und das Offenlegung des eigenen filmischen Voyeurismus. Die lesbische Beziehung zweier Nonnen im 17. Jahrhundert ist für ihre Umwelt ein dermaßen skandalöser Vorgang, dass alle Hemmungen und alles Zurückhaltende von ihr abfällt. Die Unterhaltsamkeit und das Skandalöse einer solchen Geschichte lässt sich am Ende auch nur in der Art und Weise einfangen, die Verhoeven hier wählt und sie bleibt bis zum letzten Bild konsequent.

8. YOU DESERVE A LOVE (Hafsia Herzl)

Eine sehr schöne und tolle Entdeckung, weil Hafsia Herzl anscheinend sehr viel kluge Gedanken und Beobachtungen aus ihrer Zusammenarbeit mit Abdellatif Kechiche mitgenommen zu haben scheint. Ihre Erzählung der Geschichte einer untröstlichen jungen Frau namens Lila, die ihren Liebeskummer nicht vergessen, sondern voll ausleben möchte, ist so nah an ihrer Protagonistin dran, dass schon sehr früh jede Distanz zu ihrer Figur verschwindet. Aus dieser Nähe zur eigenen Figur entsteht eine Form der Parteinahme, die das Ausleben der eigenen, weiblichen Sexualität nicht als problematisch oder selbstzerstörerisch anprangert, sondern ihrer Protagonistin jeden Fehltritt und jede überstürzt wirkende Entscheidung aus vollstem Herzen zugesteht und sie darin unterstützt. Eine Handlung hat der Film nur im Entferntesten, alle Geschichten sind nur Momentaufnahmen, die in Lilas Wahrnehmung auch wieder verschwinden können. Ich mag Filme, die ihre Figuren gerne mögen, mit ihnen mitfühlen und sie vor der Umwelt zu beschützen, die immer wieder versucht, mit Gewalt in das Leben und die Wahrnehmung ihrer Figuren einzudringen.

7. LE PRINCE (Lisa Bierwirth)

Einer der wenigen Filme über (Post-)Kolonialismus in Deutschland, dem es gelingt, nicht auf der Ebene der Phrasen und Thesen zu verbleiben, sondern die zu stellenden Fragen tatsächlich in den Mittelpunkt des filmischen Geschehens zu stellen, ohne die Figuren zu reinen Projektionsflächen zu degradieren. Die subtile Art und Weise, mit der Bierwirth die Beziehung von Monika und Josef (sehr toll: Ursula Strauß und Passi) immer weiterentwickelt, rückt die Unvereinbarkeit ihrer Geschichten in den Fokus. Die Kunst- und Kulturwelt wird hier nicht nur auf ihre nur oberflächlich und durchaus koloniale Weltoffenheit hingewiesen, sondern als ein gänzlich verschlossenes System gezeigt, in dem Kunst aus anderen Ländern oder Kulturen zum einen Ware und zum anderen etwas fremdes ist, dass nur in bestimmten Kontexten seinen Weg in den Westen finden darf. Die Liebe ist ein stetiger Aushandlungsprozess der gegenseitigen Anziehung und sie wird in LE PRINCE ständig davon zerrissen, dass sie eben nicht aus subjektiven und individuellen Gefühlen besteht, sondern auch von der Herkunft und Gesellschaft um sie herum geprägt ist. 

6. THE TROUBLE WITH BEING BORN (Sandra Wollner)

Die Subtilität und das Grauen, welches Sandra Wollners neuer Film schon in seinem Titel trägt, verlässt einen auch den ganzen Film über nicht. Die Geschichte des Androiden ist wie so häufig keine, die nur etwas über die Maschinen erzählt, aber kaum ein Film über die Maschinen war bisher so konsequent darin, ihre Perspektive einzunehmen, um dann aber wiederum festzustellen, dass diese gar nicht von der menschlichen zu trennen ist. Die Menschen haben die Maschinen erschaffen und sie damit in unsere Welt gesetzt. Sie sind ausgelagerte, menschliche Sehnsüchte, aber wir können uns nicht davon lösen, dass sie nicht nur aus unseren Gedanken bestehen, sondern auch etwas unbestimmtes, eigenes besitzen. Diese schreckliche Konsequenz spielt der Film in seinen ruhigen Bildern mit aller Macht aus. Nicht die Maschinen und Androiden tun den Menschen etwas schreckliches an, sondern im Gegenteil: dadurch, dass sie ein fiktives Produkt menschlicher Sehnsüchte sind, zeigen sie nur, zu welch‘ grausamen Dingen der Mensch in der Lage ist.

5. HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE (Maria Speth)

Die Offenheit und Bedeutsamkeit, mit der Maria Speth die Klasse 6b einer Schule in Stadtallendorf beobachtet, hat einige der schönsten Beobachtungen dieses Kinojahres hervorgebracht. HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE ist kein Film über das deutsche Schulsystem und auch kein Film darüber, welche Utopien in diesem möglich wären. Es geht ihm mehr darum, zu zeigen, wie kompliziert und schwierig das Zusammenleben in einer Gesellschaft ist. Die permanenten Aushandlungsprozesse, die zwischen den Schüler*innen und zwischen ihnen und ihren Lehrer*innen stattfinden, werden von Speth und Vorschneider in aller Ruhe und Geduld beobachtet, um das, was sich in diesem Klassenzimmer abspielt, sehr nah erfahrbar zu machen. Die unterschiedlichen Herkünfte und daraus resultierenden Wünsche der Kinder zeigen zum einen, wie sehr die soziale Herkunft eines Menschen alle anderen Eigenschaften beeinflusst und zum anderen sind es berührende Geschichten von Kindern, die versuchen, sich in der Welt zurechtzufinden, mit all der Klugheit und dem Humor, der Kindern nun einmal innewohnt. Speth hat einen Film geschaffen, der wie kaum ein zweiter die Frage nach Solidarität stellt und danach, wie das Zusammenleben von Menschen organisiert werden kann. Die Art und Weise, die Herr Bachmann seinen Schüler*innen vermittelt, hat weniger etwas mit Pädagogik zu tun, sondern viel mehr mit dem Wunsch nach einem empathischen und freundlichen Umgang miteinander. Es ist ein großer Verdienst des Films, dass er all die simplifizierenden Diskurse, die um das Thema Migration und Klasse in Deutschland so herumschwirren, außen vor lässt und, hier ist er fast schon einen Gegenpol zu Wiseman, rein auf das Beobachten der Handlungen bedacht ist und das Systemische beinahe gänzlich außen vor lässt.

4. KUNST KOMMT AUS DEM SCHNABEL WIE ER GEWACHSEN IST (Sabine Herpich)

Wenn es eine Sache gibt, die einige Filme auf dieser Liste verbindet, dann ist es die Beobachtung von den Funktionsweisen des Zusammenlebens. Wenn auch auf andere Art als Maria Speth es tut, ist auch dies ein Film, der die Beobachtung eines Phänomens größtenteils aus der Innensicht und der Nahen heraus beobachtet. Herpich offenbart sich bisweilen sogar selbst als Regisseurin, wenn sie den Mitgliedern der Künstler*innengruppe Mosaik für Menschen mit Behinderung aus dem Off heraus Fragen stellt. Kunst wird hier als Arbeit betrachtet, als etwas, dass im Zusammenspiel von Menschen entsteht, aber eine große körperliche und geistige Konzentration erfordert. Der Blick des Films weitet sich mit jedem Schnitt, jedem Bild und erschafft eine Vorstellung von Kunst als Gemeinschaftsarbeit, die an Orten stattfindet, mit anderen Menschen zusammen und sich nicht in einer rein biographischen Logik denken lässt. Interessanterweise rücken die Einschränkungen der Künstler*innen für einen Großteil des Films in den Hintergrund und das Institutionalisierte und Gemeinschaftliche steht im Fokus, bis zum Aufeinandertreffen der Gemeinschaft mit dem Kunstmarkt. Hier wird in einer faszinierenden Sequenz deutlich, dass der Kunstmarkt und auch der Rest der Gesellschaft keinerlei Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit den Menschen und ihrer Kunst besitzt, sondern versucht das, was dort geschieht, in die eigenen Kategorien einzusortieren. Die Behutsamkeit und Offenheit, mit der Herpich, wie in ihren anderen tollen Filmen auch, an die Menschen und die Kunst herangeht, hat etwas extrem würdevolles.

3. DAS MÄDCHEN UND DIE SPINNE (Roman & Silvan Zürcher)

Auch die Zürcher-Brüder setzen sich in ihrem neuen Film damit auseinander, wie Menschen miteinander kommunizieren. Lisa zieht aus, ihre Freunde und Mara helfen ihr dabei. Viel mehr passiert narrativ betrachtet hier nicht, aber das, was sich zwischen den Menschen abspielt, besitzt alle Facetten der menschlichen Kommunikation. Der Ausgangspunkt des Films ist, dass alle Figuren nicht in der Lage sind, anderen Menschen gegenüber auszudrücken, was sie fühlen. Sie sprechen einzelne, tonlose Sätze zueinander, blicken sich an und lügen ohne rot zu werden. Ihre Gesichter erzählen von einer großen Sehnsucht danach, dem Gegenüber endlich einmal sagen zu können, was man fühlt und sich nicht mehr verstecken zu müssen. Diese Verzweiflung der Figuren setzen die Zürchers auf allen Ebenen außer der Dialogischen in Szene. Die Töne im Hintergrund und das immer wieder anklingende Voyage, Voyage schaffen eine tonale Ebene, die weit über das reine Geschehen hinaus von Sehnsüchten und Träumen erzählen. Auch das Verhältnis von Lisa und Mara bleibt bis zum Schluss unbestimmt. Lisa zieht aus der WG aus, sie scheint in einem anderen Lebensabschnitt angekommen zu sein, während Mara das Gefühl nicht loslässt, dass die Erwachsenen, zu denen sich Lisa nun zählen möchte, ihre Tränen und ihre Unfähigkeit zu kommunizieren nur besser verstecken können. Sie ist dazu nicht bereit und in den wunderschönen sonnigen Bildern des Films findet sie eine Art und Weise sich auszudrücken. Im schönsten Bild des Films blickt sie aus dem Fenster zu einer Apothekerin, die nur zwei Nahaufnahmen im Film bekommt. Aber wenn das Kino etwas kann, dann ist es in zwei Bildern ein ganzes Leben zu erzählen.

2. FABIAN ODER DER GANG VOR DIE HUNDE (Dominik Graf)

Eine Anfangssequenz, die bereits etwas deutlich macht. Die Kamera geht durch eine U-Bahn-Station aus der heutigen Zeit in die entrückte Vergangenheit der 30er-Jahre. Grafs Kästner-Verfilmung kommt dem, was Kästner in seinem Schlüsselwerk der Weimarer Republik vermittelt, in einer filmischen Form am nächsten. Fabian als Mischung aus der Romanfigur und Kästner selbst, als eine der konsequentesten Figuren, die bis zum Schluss in den eigenen Ideen verhangen bleibt und gleichzeitig die große Liebe fühlt, was ihn zum Schluss zerreißen wird. Gleichzeitig ist es ein Film über die Lügen der damaligen und der heutigen Zeit, dem unbewussten Wissen von dem Schrecken, der bevorsteht, aber noch nicht geschehen ist. Das Auseinanderbrechen von etwas, wird bei Graf nicht durch die Anwesenheit der Nazis gezeigt, sondern durch diejenigen, die deren Schreckensherrschaft erst ermöglichen. Das Ineinanderschieben von Zeitebenen, wie als Fabian (ausnahmsweise toll: Tom Schilling) über einen Stolperstein läuft, dient keiner reinen Bezugnahme auf die Gegenwart, sondern versucht sich daran Verbindungen zwischen Zeiten herzustellen. Dass es Graf gelingt, neben diesen politischen Aspekte, die für ihn immer schon Bildpolitik in alle Richtungen sind, noch eine Liebesgeschichte zu erzählen, die durch Albrecht Schuch und vor allem Saskia Rosendahl eine emotionale und tragische Tiefe bekommt, zeigt seine enorme inszenatorische Kraft und Energie. Vielleicht lässt sich diese Art von Geschichten, wie auch schon DIE GEIEBTEN SCHWESTERN, nur mit dieser Energie erzählen, weil der Film ansonsten kaum eine Chance hat, gegen diese Wucht anzukommen. FABIAN ODER DER GANG VOR DIE HUNDE zeigt das, was er im Titel verspricht, denn hier geht etwas vorbei, es bricht etwas auseinander und alle wissen es.

1. BERGMAN ISLAND (Mia Hansen-Love)

Vermutlich eine vorhersehbare Wahl, aber nichtsdestotrotz hat mich kein Film in diesem Jahr so beeindruckt wie BERGMAN ISLAND. Kein Film hat sich dieses Jahr so frei und schön angefühlt, über kaum einen Film habe ich so gerne nachgedacht und gesprochen wie diesen. Das Künstlerpärchen Chris und Tony fährt nach Farö, um dort an ihren neuen Drehbüchern zu arbeiten. Tony ist ein wenig älter, ein wenig erfolgreicher und ihm fällt das Schreiben leichter. Wie immer bei Hansen-Love gibt es kein wirkliches Narrativ, sondern sie lässt verschiedene Szenen und Montagen geschehen und versucht, das Verhältnis der Figuren zueinander und zu ihrer Kunst nachvollziehbar zu mache. Es verbietet sich aber, hier nach Antworten auf die Fragen zu suchen, sondern der Film fließt im sonnigen Sommer von Farö vor sich hin und folgt Chris und Tony beim Spazierengehen, Baden und (Nicht-) Schreiben. Bis auf die Tourist*innen, die die Bergman Safari im Bus machen, kommt niemand wirklich schlecht weg, sondern die Menschen sind verschieden und akzeptieren sich in ihrer Verschiedenartigkeit. Natürlich ist die durchaus männlich konnotierte Art und Weise, mit der Tony seine Filme schreibt, etwas unsympathisch, aber Chris und auch Mia Hansen-Love sind nicht daran interessiert, ihn bloßzustellen, sondern daran, einen eigenen Blick, eine eigene Sprache zu entwickeln, die Tonys in den Schatten stellt. Während dieser die Aufmerksamkeit bekommt und über seine Frauenfiguren reden darf, verlässt Chris das Kino und lässt sich Orte jenseits des Bergmann-Tourismus zeigen. Sie möchte ihren eigenen Blick auf die Insel und die Kunst entwickeln. Wo der Film in der ersten Hälfte viel Freude an den eigenen Bewegungen und der eigenen Offenheit hat, vollführt er in der zweiten Hälfte, in der wir im Film den neuen Film von Chris sehen, eine wunderbare Wendung, die entgegen der Erwartung aber nicht einfache Rückschlüsse auf die eigentliche Geschichte zulässt, sondern den Blick und die Erzählweise, die Chris den ganzen Film über versucht zu entwickeln, konsequent in eigene filmische Bilder verwandelt. Was für eine meisterhafte Filmemacherin Hansen-Love ist, zeigt sich in der großen Musik-Szene, die ebenso wie in dem tollen EDEN, nur in diesem einen Moment passend und nicht albern wirkt. Das Tanzen und Singen eines ABBA-Liedes auf einer Hochzeit auf einer schwedischen Insel. Der Übergang zwischen dem eigenen Leben und dem Kino verschwindet in BERGMAN ISLAND beinahe endgültig, aber nicht insofern, als dass man im Kino das eigenen Leben betrachtet. Das Kino bietet einem die Möglichkeit, einen eigenen Ausdruck zu finden und das, was man denkt und fühlt, in eine Welt zu übertragen, die trotz ihrer Fiktionalität doch ganz zu uns selbst gehört. The winner takes it all.

Gedankenreste:

Frühling mit Mikio Naruse. Sommer mit Éric Rohmer. Herbst mit Leos Carax. Winter mit Hong-Sang Soo.

Shaolin Soccer (Stephen Chow): Eine neue Lieblingsszene: Amuis Teigwaren beginnen auf einmal bitter und salzig zu schmecken und Sing begreift im Moment des Essens, dass sie ihre Tränen in den Teig eingebacken hat.

Serependity (Peter Chelsom): Ein Film für einen kalten und traurigen Sonntagabend. Wie könnte man Kate Beckinsale und John Cusak nicht verfallen.

The Dead Zone (David Cronenberg): Gesehen in einer sehr schönen Kopie im Filmmuseum mit deutschen und französischen Untertiteln. Sehr toll erzählte Geschichte, gerade in der Tragik, die ihr schon von Beginn an innewohnt.

Treme (David Simon, HBO): Wrap your troubles in dreams. Eine der tollsten und würdevollsten Serien überhaupt und allen Debatten über Kultur so meilenweit voraus.

Riverdale (S1-3): In keine Stadt bin ich dieses Jahr so gerne gegangen wie nach Riverdale.

Mieses Leben (Haiyti): Mich tröstet der Nieselregen.

Werder Bremen-Borussia Mönchengladbach (22.5.2021): Die Stille nach dem Abpfiff hat etwas mit mir gemacht. Und trotzdem bleibt’s dabei, wie’s kommt ist einerlei, man kann ja nicht aus seiner Haut.

Die Sprosse (3.12.2021): Die Gute Stute nach draußen getragen.

Magnus Carlsen-Ian Nepomniachtchi (5.12.2021, Schachweltmeisterschaft, Partie 8): Das brutalste am Schachspielen ist, dass ein einziger Moment dein Herz brechen kann.

Bianca Bel-Air.

 

10 neue Lieblingsfilme im Jahr 2021

1. Goodbye Dragon Inn (Taiwan 2003, Tsai Ming-liang)

2. 11x14 (USA 1977, James Benning)

3. Liz and the Blue Bird (Japan 2018, Naoko Yamada)

4. L’ami de mon amie (Frankreich 1987, Éric Rohmer)

5. The Shop around the corner (USA 1940, Ernst Lubitsch)

6. All I Desire (USA 1953, Douglas Sirk)

7. Legend of the Mountain (Taiwan/Hongkong 1979, King Hu)

8. A Silent Voice (Japan 2016, Naokoa Yamada)

9. Apart from You (Japan 1933, Mikio Naruse)

10. Mädchen in Uniform (Deutschland 1958, Géza von Radványi


Funkdramatik (Für alles.) 

Nach dem Kino (Für das Sprechen.)


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